Konzept vor Technik – Podcasting in der Lehre (auch an der UOS)

„Podcasts sind im Hochschulbereich kein Experiment mehr“, schreibt Christian Friedrich in seinem Blog. Er bezieht sich dabei auf einen aktuellen Podcast von Inside Hochschulkommunikation. Darin wird das Thema unter dem Titel „Marathon statt Sprint – Strategie und Authentizität bei Hochschul-Podcasts“ ausführlich diskutiert. Reinhören lohnt sich. Das Audio-Format scheint im Wissenschaftskontext angekommen zu sein. Das zeigt auch die Broschüre 10 Jahre HOOU – 10 Stimmen zum Podcasting“ der Hamburg Open Online University anhand von Beispielen aus der Praxis und konkreten Erfahrungen: „Wer sich für Podcasting in der Hochschule interessiert, findet hier keine Schritt-für-Schritt-Anleitung, sondern echte Stimmen, lebendige Perspektiven und viele Anregungen zum Weiterdenken.“

Anlass für uns noch einmal gezielt darauf aufmerksam zu machen, wie viel Potenzial Podcasting in der Lehre haben kann. Zumal wir hier an der Uni Osnabrück über eine sehr förderliche Infrastruktur verfügen.

Erfahrungen an der Uni Osnabrück

Prof. Dr. Helena Olfert und Hannah Koch haben das genutzt und Podcasting in zwei sprachwissenschaftlichen Seminaren eingesetzt. In mehreren von den Studierenden produzierten Folgen dreht sich alles um Mehrsprachigkeit und Spracherhalt.

Welche Erfahrungen nehmen sie aus dem Einsatz des Audio-Formats mit?

Besonders wichtig aus Sicht von Helena Olfert ist ein gut durchdachtes Konzept. Das sollte nicht unterschätzt und dafür ausreichend Zeit für die Bearbeitung eingeplant werden. Auch ein klarer Bezug zu den Seminarthemen ist hilfreich. Studierende sollten mit den gewählten Themen weitestgehend vertraut sein bzw. die Themen sollten so eingegrenzt werden, dass Studierende sich damit nicht überfordert fühlen.

Die Produktion selbst, die Technik dahinter, die Aufnahme und die Nachbearbeitung sind natürlich auch wichtig und erfordern Einarbeitungszeit. Hier hat sich bewährt, dass Kolleg:innen aus virtUOS und DigiLab in das Seminar gekommen sind und so bei den Studierenden Berührungsängste mit der ungewohnten Technik abbauen konnten.
Gut war auch, dass die Studierenden während des Seminarzeiten die Möglichkeit hatten, am Podcast zu arbeiten. So konnten die beiden Dozentinnen den Prozess eng begleiten und direkt Feedback geben.
Die Ergebnisse jedenfalls können sich sehen bzw. hören lassen. Die Studierenden haben auch den Namen der Podcast-Reihe, das Jingle und das Bild gestaltet bzw. ausgesucht. Das war sehr förderlich für den Lernprozess, da dadurch das gemeinsame Arbeiten an einem Produkt in den Vordergrund rückte.

Bei künftigen Lehrveranstaltungen könnte sich Helena Olfert zudem vorstellen, eine Person einzuladen, die Wissenschaftspodcasting betreibt, um verstärkt auch diese Perspektive anzubieten.

Möglichkeiten in der Lehre

Halten wir fest: Audio-Formate lassen sich vielfältig in der Lehre nutzen:

  • Als alternative Studienleistung setzen sich Studierende dabei nicht nur mit ihren jeweiligen Fachthemen auseinander, sondern üben sich auch in Medienkompetenz.
  • In den Sprachwissenschaften kann der Konsum von Podcasts gezielt das Hörverstehen fördern.
  • Durch die Erstellung eines eigenen Podcasts in einer Fremdsprache lassen sich die Lese- und Sprechfähigkeiten unterstützen.
  • Lehrende können in Form von Podcasts Selbstlerneinheiten erstellen bzw. begleiten, z.B. im Rahmen eines Flipped Classroom Ansatzes.
  • Das Format kann genutzt werden, um Projektergebnisse, Erfahrungsberichte aus Projekten oder Praxisbeispiele zu dokumentieren. 

Für alle Audio-Formate gilt: Bei der Konzeption den Grundsatz „Schreiben fürs Hören“ beachten. Damit ist gemeint, eine möglichst einfache Sprache verwenden, kurze Sätze bilden und Begriffserläutern wiederholen. Einen guten Anhaltspunkt für die Praxis findet sich in dieser Beschreibung

Wie geht Podcasting an der Uni Osnabrück?

Die Universität Osnabrück bietet eine komplette Infrastruktur für Podcasting: In schalloptimierten Räumen stehen Aufnahmeplätze mit fest installierten Mikrophonen zur Verfügung. Gebucht werden können die Räume über das DigiLab. Dort erhält man auf Nachfrage weitere Beratung bzw. kann zusätzliche Geräte wie Mikros ausleihen.

Mit Castopod ist zudem eine eigene Hosting-Plattform für die Veröffentlichung verfügbar. Die Plattform eignet sich besonders für den Bildungsbereich. Audiodateien und Metadaten bleiben vollständig auf den Servern der Universität Osnabrück. Das hat mehrere Vorteile:

  • Keine zusätzlichen Kosten für Hochschulangehörige
  • Datenschutzfreundliches Hosting innerhalb der Hochschulinfrastruktur
  • Volle Kontrolle über Inhalte, Lizenzierung und Veröffentlichung
  • Verbreitung über alle gängigen Plattformen (z. B. Spotify, Apple Podcasts) via RSS-Feed
  • Möglichkeit zur Kennzeichnung als OER inkl. Lizenzangaben

 Einen guten Einstieg in des Thema Podcasting finden Studierende (und Lehrende) über das MikroModul (MiMo) „Einführung in Podcasting“ (Stud.IP). Weiterführende Infos zur Nutzung der o.g. Tools gibt es auf diesen Seiten.