Erkenntnisse zu KI-Einsatz und KI-Bedarfen von Lehrenden an niedersächsischen Hochschulen

Digitale Zeichnung einer Frau, die eine Glühbirne in der Hand hält

„Wie wird KI tatsächlich in der Lehre eingesetzt?“, „Wie müssen Prüfungen und Lehrformate angepasst werden, um mit KI umzugehen?“ und „Wo bestehen Bedarfe hinsichtlich der Schulung von Lehrenden?“, …

… diesen und weiteren Fragen ging im vergangenen Jahr eine Bedarfserhebung zu KI unter Lehrenden der niedersächsischen Hochschulen aus dem Verbund „Digitale Lehre Hub Niedersachsen“ (DLHN) nach. Denn dazu, wie Künstliche Intelligenz bereits wirklich in der Hochschullehre angekommen ist und welche Bedarfe dazu bei den Lehrenden an den niedersächsischen Hochschulen bestehen, gibt es bisher nur fragmentarische, situative und in anekdotischen Einzelgesprächen erfasste Erkenntnisse.

Eckdaten
Die Online-Befragung wurde im Projekt „KI in Studium, Lehre und Prüfungen“ erstellt und hatte eine Laufzeit von über 16 Wochen von September bis Ende Dezember 2025. Die Erhebung richtete sich an Hochschullehrende aller 20 staatlichen niedersächsischen Hochschulen und wurde initial über die jeweiligen Einrichtungsleitungen bzw. Vertretungen in den Service-Einrichtungen geteilt. Über individuelle standortspezifische Verteilerwege wurden letztlich 1.243 Fragebögen vollständig ausgefüllt und ausgewertet.
Ziel der Umfrage war es nicht nur, die gängigen Annahmen über den Einsatz von KI und potentielle Bedarfe von Hochschullehrenden zu verifizieren, sondern benötigte anwendungsorientierte (Fortbildungs)angebote zu identifizieren, die in Kooperation aus dem Verbundprojekt für die Hochschulen und die Hochschullehrenden bereitgestellt werden können.
Die Universität Osnabrück ist mit einer Beteiligung von insgesamt 130 Lehrenden, die die Fragen vollständig beantwortet haben, bei der Teilnehmendenzahl nur knapp hinter dem Rücklauf an der TU Braunschweig (137) und der HS Hannover (160). Wir danken allen Lehrenden, die sich die Zeit genommen haben!
Hinweis: Die Ergebnisse des Gesamtverbundes wurden mit den Ergebnissen der Teilantworten der Lehrenden der UOS abgeglichen. In den meisten Fällen gab es keine auffällige Abweichungen.

Limitationen und Reichweite
Bei einer Umfrage unter 20 staatlichen Hochschulen in Niedersachsen ist eine Beteiligung von 1.243 Lehrenden zwar respektabel, um einen Einblick in die Anwendung von KI und zu den Bedarfen zu KI in der Hochschullehre zu erhalten. Es ist aber davon auszugehen, dass primär jene Lehrenden erreicht wurden, die sich mit dem Thema KI bereits stärker auseinandergesetzt haben oder denen das Anliegen der Befragung besonders am Herzen lag. Zudem fiel auch die Beteiligung an den einzelnen Hochschulen unterschiedlich stark aus. Die Erhebung spiegelt somit nur einen Ausschnitt der Gesamtlehrendenschaft Niedersachsens wider.

Die Ergebnisse bestätigen: der Umgang mit KI in der Lehre ist vielfältig
Im Folgenden erhalten Sie einen Einblick in einzelne, ausgewählte Ergebnisse. Eine Präsentation über die Umfrage und Antworten aus dem Verbund erhalten Sie über diesen Link.

Die Auswertung der Erhebung zeigt, dass KI bereits Einzug in die Lehre gefunden hat. Etwa 84 % der befragten Lehrenden nutzen KI bereits im Kontext ihrer Lehrtätigkeit, davon wendet etwa die Hälfte der Befragten KI im Lehr-/Lernkontext an und über 70 % der Lehrenden behandeln KI als Thema. Gleichzeitig hat sich bestätigt, dass das Thema durch den rasanten Einzug in die Lebensrealität der Studierenden und somit auch in den Hochschulkontext oft noch viele Fragen aufwirft und Unsicherheiten mit sich bringt, ob und wie KI angewendet werden kann. Dementsprechend zeigen sich auch einige der antwortenden Lehrenden verhalten: Während sich die explizite Erlaubnis der Nutzung von KI durch Studierende zur Vorbereitung, Anwendung in der Lehrveranstaltung und zur Nachbereitung im Rahmen von 35-45 % bewegt, gibt es verstärkt auch die „nicht explizite“ Erlaubnis: 45-57 %. Dagegen wird die Nutzung von KI durch Studierende im Prüfungskontext von 65 % der Lehrenden explizit nicht erlaubt.

Eine spezielle Erlaubnis bestimmter Tools erweist sich dabei als stark individuell und (fach-)kontextabhängig. Durch die Freitextantworten der Lehrenden durchzieht sich der Wunsch, den (sinnvollen) Einsatz von KI im Rahmen der eigenen Möglichkeiten realisierbar zu machen. Es bestätigt sich, dass sich Lehrende wie Studierende durch die Ransantheit und Variabilität von KI stets in einem Lernprozess befinden und die Rahmengebung für die gelingende Lehrgestaltung dafür noch wachsen darf. Der Fokus einiger Lehrender lag vor allem darauf, die Studierenden für das Thema zu sensibiliseren, die Kritikfähigkeit und das kritisch-reflektierte Arbeiten und Denken zu fördern, sodass diese urteilsfähig werden, selbst zu erkennen, wo sich der Einsatz von KI eignet und wo nicht. Dabei wurden Themen wie Datenschutz und Transparenz gestriffen. Des Weiteren geht aus der Umfrage hervor, dass bereits einige Lehrende nicht nur im Lehr-, sondern auch im Prüfungskontext Anpassungen vorgenommen haben: 35 % der Lehrenden haben ihre Prüfungen bereits an KI angepasst – an der Uni Osnabrück sind es sogar schon 44 %! Ein weiteres erfreuliches Ergebnis zeigt sich an der UOS im Zusammenhang mit der Bekanntheit KI-bezogener Angebote. So ist kiwi, der datenschutzkonforme Zugang zu KI-Tools an der UOS, 92 % der Befragten bekannt.

Fazit und Ausblik
Die Ergebnisse der Umfrage bestätigen: KI ist in der Hochschullehre der niedersächsischen Hochschulen angekommen. Gleichzeitig zeigt sich, dass bei Lehrenden – ebenso wie sekundär bestätigt auch bei Studierenden – noch vielfach Erweiterungspotential besteht und Transparenz erforderlich ist, wie KI sinnvoll und verantwortungsvoll eingesetzt werden kann. Ebenso verweist die Spannbreite zwischen expliziter Erlaubnis, impliziter Duldung und Verbot von KI-Tools darauf: Es braucht mehr Klarheit.

Hier setzen bereits Ergebnisse aus dem Verbund „Digitale Lehre Hub Niedersachsen“ nicht nur durch das semesterbegleitende Austauschformat „KI.kompakt“ an. Um die Schaffung von Transparenz in der Hochschullehre zu fördern, adressiert das Projekt bereits folgende Bereiche (Produkte in den Beispielen):
Rechtliche Orientierung: Stellungnahmen zum Einsatz generativer KI in Prüfungen sowie zum Einsatz von KI-Detektoren, Rechtsberatung aus dem Verbund, KI-Basisschulung.

Didaktische Gestaltung: Unterstützung bei der Frage, wie KI sinnvoll in Lehrveranstaltungen eingesetzt wird und wie Studierende zu kritischem Umgang mit KI befähigt werden: KI-Kompetenzrahmen

Prüfungsdesign: Prüfungsformate KI-resistent(er) gestalten

Alle und noch folgende Angebote stehen allen Lehrenden auf twillo zur Verfügung und werden kontinuierlich weiterentwickelt, um Lehrende in ihrer täglichen Arbeit zu unterstützen und Studierenden ein transparentes Lernumfeld zu schaffen.