
Lernziele (neu) definieren
Mit dem Gebrauch von KI-Systemen an Hochschulen verändern sich Lernprozesse. KI-Systeme bieten vermeintliche Abkürzungen beim Kompetenzerwerb und können schnell Produkte nach eingegebenen Vorgaben generieren, die früher „händisch“ erschaffen wurden. Vor diesem Hintergrund stellt sich die Frage: Was sollen Studierende heutzutage noch „selbst“ können? Welche Fähigkeiten sollen sie im Studium erwerben? Welche Fähigkeiten sind inzwischen dagegen zu vernachlässigen? Ein geeignetes Unterscheidungskriterium für „Eigenleistung“ zu finden, ist abhängig von Kontext und Fach. Angesichts der Verfügbarkeit von KI-Systemen möchten wir Ihnen ans Herz legen, Ihr Lehrveranstaltungskonzept unter die Lupe zu nehmen und bisherige Lernziele auf den Prüfstand zu stellen.
- Lernziele: Welche Kompetenzen sollen die Studierenden erwerben?
- Lehr-/Lernsettings: Wie sind diese aufgebaut? Welche Lernaufgaben gebe ich Studierenden?
- Prüfungen: Wie prüfe ich, ob die Kompetenzen erreicht wurden?
Nach der Bloom’schen Lernzieltaxonomie werden Lernziele in hierarchische Stufen der kognitiven Komplexität (erinnern, verstehen, anwenden, analysieren, evaluieren, erschaffen) unterteilt. KI-Tools können je nach Stellung der Lern- und Prüfungsaufgabe für die Bearbeitung eingesetzt werden, sodass Lernziele nicht mehr erreicht und Kompetenzen nicht erlangt werden.
Um ein Gefühl dafür zu bekommen, welche Auswirkungen KI-Tools auf die Konzeption Ihrer Lehrveranstaltung haben, geben Sie typische Lern-/Prüfungsaufgaben in ein KI-Tool (z.B. kiwi) ein und schauen Sie, was dabei rauskommt – würde die generierte Antwort zum Bestehen ausreichen und was sagt sie über die Kompetenz aus? Hinterfragen Sie: Kann eine Antwort auf die Lernaufgabe als hinreichender Beleg für Kompetenz gelten?
Lernziele neu festlegen
Auf Basis Ihrer vorherigen Überlegungen fragen Sie sich noch einmal:
- Welche Kompetenzen sollen die Studierenden im Rahmen der Lehrveranstaltung erwerben? Was sind die Lernziele?
- Welche Kompetenzen, die ich in früheren Lehrveranstaltungen (‚vor KI‘) gefördert habe, sind inzwischen zu vernachlässigen?
- Verfolge ich KI-bezogene Lernziele?
Hilfestellung: Das Ko-Intelligenz-Kompetenzmodell von Ulrike Hanke (2026)
Nutzen Sie nun das Ko-Intelligenz-Kompetenzmodell nach Hanke und die entsprechenden Operatoren, um Ihre Lernziele umzuformulieren oder neu zu formulieren. In dem Modell werden die verschiedenen Prozessebenen des Lernens (erinnern, verstehen, anwenden, …) dargestellt und dabei fachbezogene Lernprozesse und KI-bezogene Lernprozesse einbezogen. Je komplexer ein Lerngegenstand ist, desto verzahnter greifen die Lernprozesse ineinander (s. Operatoren). Nutzen Sie die Operatoren, um integrative Lernziele (neu) zu definieren.


Beispiele für die Formulierung von Lernzielen
| Lernziel ohne KI Bezug | Lernziele mit KI Bezug |
| Die Studierenden können das Modell XY zur Analyse von narrativen Texten anwenden. | Die Studierenden können einen KI generierten Output unter Rückgriff auf ihr eigenes Fachwissen kritisch reflektieren. |
| Die Studierenden können die Anwendung eines GPT Models im eigenen Arbeitsprozess diskutieren. |
