
Prüfungen KI-robuster gestalten
KI-Systeme erschüttern das bisherige Prüfungssystem erheblich und zeigen, welche Lernziele, Aufgaben und Prüfungsformen noch Bestand haben können. KI-Systeme sind einerseits Katalysatoren für eine sinnvolle Anpassung von Prüfungen, andererseits fordert ihre Verfügbarkeit zu mehr Differenzierung von Lernzielen und Prüfungsdesign. Um auf diese rasanten Entwicklungen reagieren zu können, geben wir Tipps.
Für mehr Klarheit darüber, welche Optionen Sie mit Ihrer Prüfung haben, fragen Sie sich: Wird in Ihrer Prüfung eine Kompetenz geprüft, die künftig auch ohne Unterstützung durch KI-Systeme beherrscht werden muss?
Lautet die Antwort „Nein“, dann sollten/müssen Sie KI-integrierende Aufgaben mit höheren Anforderungen an das Produkt stellen und ggf. ein neues Verständnis von Eigenständigkeit in Zusammenarbeit mit KI-Systemen entwickeln.
Sicher ist, dass in Prüfungen, in denen die Nutzung von KI-Systemen erlaubt ist, der goldene Weg das Gestalten der Prüfungssituation ist (Probleme, die mit dem Dulden oder undifferenzierten Erlauben der Nutzung von KI-Systemen einhergehen, werden von Juristin Dr. Janine Horn in ihrem Vortrag Update KI in schriftlichen Prüfungen – Grenzen, Nachweis und Anpassung vom 21.04.2026, Min. 1:59-4:10, erläutert)
Der goldene Weg des Umgangs mit KI-Systemen in Prüfungen beinhaltet
- Die Wahl eines geeigneten Prüfungsformates, das sich im Rahmen der PO und des Modulhandbuchs bewegt. Auch hier haben Sie ggf. einen Hebel in der Hand, um Prüfungen KI-robuster zu gestalten.
- Die Anpassung von Aufgabenstellungen: welche Lernziele verfolgen Sie und welche Kompetenzen sollen die Studierenden demonstrieren? Dies ist der Hebel der KI-robusten Prüfung.
- Klare Regeln wozu KI-Systeme genutzt werden dürfen, und wozu nicht (Empfehlungen finden Sie auf unserer Seite KI-Regeln für Prüfungen aufstellen).
Anpassung von Aufgabenstellungen
In unserem Foliensatz „Prüfungen KI-robuster gestalten“ leiten wir Sie Schritt für Schritt durch die Anpassung von Prüfungsaufgaben, sodass Ihre Prüfungsaufgaben überprüfen, ob die anvisierten Lernziele erreicht wurden. Neben formalen Kriterien, die Sie „abhaken“ müssen, geben wir Tipps, um Lernziele und Prüfungsaufgaben aufeinander abzustimmen.
Weitere Tipps
- Wählen Sie ein Prüfungsdesign, das den Prozess wieder sichtbar macht. Vorschläge hierzu finden Sie auf der Seite KI und Abschlussarbeiten oder im Foliensatz „Prüfungen KI-robuster gestalten“ von S. Schorer. Nutzen Sie das Bild der „Denkspur“ und integrieren Sie es in Prüfungsaufgaben.

Denkspur von magnific.com
- Erweitern Sie das Konzept „Eigenständigkeit“ um Dimensionen, die auch die Zusammenarbeit mit KI-Systemen einschließen. Was bedeutet für Sie „Mit KI gemacht“? Wir empfehlen, dass Sie sich über Ihre Position im Diskurs mit Kolleg*innen austauschen.
- Fokussieren Sie auf kompetenzorientiertes Prüfen. Kompetenz schließt neben Wissen und Umsetzungsstärke auch die Haltung mit ein. Es soll das was, aber auch das wie und warum bewertet werden. So rücken wissenschaftliche Kompetenzen in den Mittelpunkt, bei denen KI-Systeme unterstützen können, sie aber nicht ersetzen können: „kritisches Denken, methodische Reflexion, Problemlösungskompetenz und Diskursfähigkeit“ (Weßels et al., Wissenschaftliche Abschlussarbeiten im KI-Zeitalter, S. 9, (10/2025)).
- Falls Sie KI-integrierende Aufgaben stellen, sollte das Hilfsmittel KI auch insofern berücksichtigt werden, dass eine 1,0 durch die bloße Zuhilfenahme von KI-Systemen nicht möglich wird. Wir empfehlen hier strenge Kriterien nach den Prinzipien der guten wissenschaftlichen Praxis anzulegen, diese jedoch vorab den Studierenden in der Präsenzzeit auch zu vermitteln. Es muss klar sein, inwiefern eine KI-gestützte Arbeit bestehen oder durchfallen kann und welche Maßstäbe dafür angelegt werden. Hierzu empfiehlt es sich, ein Zulässigkeitsraster zu verwenden.

